Gettin’ the Blues – oder wie man eine Cyanotypie macht

Cyanotypie ist nicht nur ein cooles Wort sondern auch eine richtig coole Sache! Auch Eisenblaudruck genannt, beschreibt sie ein Edeldruckverfahren, das durch die charakteristischen Blautöne bekannt ist (daher auch der Name). Sie ist eine der ältesten und auch einfachsten Prozesse zum Herstellen stabiler fotografischer Bilder. Man muss nur wissen wie! 

Cyanotypie
Cyanotypie des Eiffelturms in Paris

Da es während der letzten Wochen hier bei mir nur mieses Wetter gab, das so gar nicht zum Rausgehen und fotografieren einlud, habe ich die Gelegenheit genutzt, dieses alte fotografische Verfahren mal auszuprobieren. Das Thema ist mir immer wieder untergekommen aber so richtig Lust darauf  habe ich erst bekommen, als ich es kürzlich in einem Buch wiedergefunden habe. Das Buch #nofilter von Natalia Price-Cabrera kann ich euch übrigens sehr empfehlen wenn ihr auf der Suche nach neuen, kreativen Ideen für eure Fotos jenseits von den üblichen digitalen Filtern seid. Sie liefert in über 60 Tipps sowohl digitale als auch analoge Inspirationen über mehrere Schwierigkeitsgrade hinweg; von leicht umzusetzenden App Anwendungen bis hin zu aufwendigen und technisch anspruchsvollen Umsetzungen wie etwa die alte Fototechnik der Ferrotypie (Blechfotografie), die eine Dunkelkammer und einiges an Equipment benötigt, oder die Daguerreotypie, bei dem in einem aufwendigen Prozess hochgiftigen Substanzen zum Einsatz kommen. Andere Ideen hingegen können sofort umgesetzt werden. So wird für die Lichtmalerei lediglich eine Kamera mit Bulb-Modus und eine Taschenlampe benötigt. Mit Beispielbildern experimentierfreudiger Fotografen bekommt man auch sofort Lust selber zu starten. 

Einziges Manko: das Buch kommt leider nicht mit einer Anleitung daher; in Grundzügen werden zwar die Techniken erklärt, wer es aber genauer wissen will muss die Google Suchmaschine anwerfen oder sich tiefer führende Literatur anschaffen. 

So ähnlich ging es mir dann auch in Bezug auf die Cyanotypien – wobei sich hier im Vergleich eine recht gute Anleitung finden lässt und ich hauptsächlich die benötigten Chemikalien recherchieren musste. Diesbezüglich fand ich die Seite von radiertechniken.de sehr hilfreich und informativ. Hier findet ihr generell Informationen zu Druckverfahren, Radierungen etc. 

Ich habe mich letzten Endes dann an die Anleitungen und Maßangaben von Kunst im Unterricht gehalten, da sie mir am einfachsten umsetzbar erschienen. 

Als erstes musste ich lernen, dass die Cyanotypie einiges an Vorbereitung bedarf. Die größte Hürde ist wahrscheinlich die Anschaffung der Chemikalien. Aber wenn man die mal im Hause hat, geht es leicht und man ist für einige Zeit versorgt. 

Zur Herstellung der Sensibilisierungsflüssigkeit werden die beiden Chemikalien (grünes) Ammoniumeisen(III)-Citrat und Kaliumhexacyanoferrat(III) (rotes Blutlaugensalz, Kaliumferricyanid) sowie destilliertes Wasser benötigt. 

Beides ist zwar über den Online Versand wie Amazon erhältlich, ich habe meine allerdings in Wien bei Neuber’s Enkel gekauft (meine uneingeschränkte Empfehlung hier, der nette Verkäufer wusste sofort wofür ich es brauche und wieviel jeweils üblich ist). Es gibt übrigens auch fertige Mischungen zu kaufen – aber wo bleibt da der Spaß und zudem sind sie wesentlich teurer.  

Astrid, Cyanotypie, 2019

Herstellung der Lösung

Für einen Liter Lösung benötigt ihr 100 g Ammoniumeisen(III)-Citrat und 40 g Kaliumferricyanid, das ihr in jeweils 0,5l Gläser mischt. Diese Flüssigkeiten sind noch nicht lichtempfindlich und können daher bei Tageslicht hergestellt werden. 

Der nächste Schritt sollte dann schon im Dunkeln geschehen, da nun die zwei Lösungen zu gleichen Teilen (1:1) gemischt werden müssen. Diese Flüssigkeit ist nun UV-empfindlich und reagiert auf Sonnenlicht und UV-Lampen und sollte daher in braunen Flaschen aufbewahrt werden. 

Lichtempfindliches Papier 

Nun tragt ihr die hergestellte Mischung im Dunkeln auf Papier oder andere Materialien (z.B. Holz oder Stoffe) auf. Ich habe Aquarellpapier mit einer Stärke von 200g/m² verwendet. Da ja das Papier nicht nur nass beschichtet, sondern später auch noch mit viel Wasser gespült wird, eignet sich dickeres Papier besonders gut dafür (es trocknet nicht nur besser, sondern wirft auch keinen Wellen). Anschließend muss das Ganze nun getrocknet werden (entweder über Nacht oder wenn ihr es eilig habt, könnt ihr euch mit einem Fön helfen). Das Papier hat nun eine leicht grüne Farbe und ist natürlich bereits lichtempfindlich – also am besten in einer lichtdichten Schachtel oder Kuverts aufbewahren. 

Belichtung 

Das getrocknete Papier kann nun belichtet werden. Dazu können etwa Gegenstände wie Blumen und Pflanzen aufgelegt werden. Auf diese Weise werden so genannten Fotogramme hergestellt. Anna Atkins, eine englische Botanikerin (und wahrscheinlich die erste Fotografin überhaupt) hat damit diverse Pflanzen dokumentiert und das erste Buch veröffentlicht, das nur mit diesem fotografischen Verfahren illustriert war. Dadurch trug sie wesentlich zur Steigerung der Bekanntheit der Cyanotypie bei. Sie war übrigens auch mit dem Erfinder der Cyanotypie, dem Astronomen John Herschel, befreundet. Der entdeckte das Verfahren 1842 und prägte Begriffe wie “Photographie” und “positiv” und “negativ”. 

Aber zurück zu unseren eigenen Cyanotypien! 

Für fotografische Bilder benötigt ihr nämlich nun Negative, da ja nur die hellen Stellen belichtet werden.

Die gewünschten Fotos also z.B. in Photoshop ins Negative umwandeln und auf Folie drucken. Ich habe dazu ganz gewöhnliche Overheadfolie verwendet. Funktioniert ganz wunderbar!

Bild oben:
vor und nach der Belichtung:
das Bild wird wesentlich dünkler

Diese dann auf das Papier legen und mit einer Glasscheibe (etwa von einem Bilderrahmen gleicher Größe) beschweren. Es ist wichtig, dass die Folie eng auf dem Papier aufliegt. 

Macht ihr Cyanotypien an einem sonnigen Tag, dann könnt ihr eure zukünftigen Kunstwerke in die Sonne legen. Alternativ kann auch einen UV-Lampe verwendet werden – hier verlängert sich die Belichtungsdauer dementsprechend (eine Stunde und mehr ist dann durchaus möglich). Die lichtempfindlichen Teile reagieren nun auf das UV-Licht und beginnen sich dunkel zu verfärben. Es entsteht das typische Berliner Blau, auch preußisch Blau genannt, ein lichtechtes, tiefblaues, anorganisches Pigment. 

Auswässern     

Ist das Bild dunkel genug (mit einer leichten bräunlichen Färbung) ist es fertig belichtet und kann einfach unter fließendes Wasser ausgespült werden. Wenn alle Grün- und Brauntöne ausgewaschen sind und ein rein blaues Bild übrig ist, wird es zum Trocknen aufgehängt.

Et voila! Fertig ist die eigene Cyanotypie!  

Quallen, Cyanotypie, 2019

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