Ein besonderer Frühling – oder warum sich gerade dieses Jahr einzigartige Motive finden lassen!

Magnolien

Gefühlt erst letzte Woche habe ich den Artikel über die Möglichkeiten der Fotografie im Herbst geschrieben. Nun beginnt es bereits wieder überall zu sprießen und ich merke, wie es mir schon unter den Fingernägeln brennt raus zu gehen und zu fotografieren. 

Aber diesmal ist alles ein wenig anders. Das Corona-Virus hat um Österreich keinen Bogen gemacht und auch hier leben wir nun im Lock-Down, ein Wort, mit dem wir vor einem Monat noch nicht viel anzufangen gewusst hätten. Wir dürfen das Haus (oder die Wohnung) nur aus vier Gründen verlassen: um einkaufen zu gehen oder in die Arbeit (das betrifft v.a. die Systemerhalter, denn im Grunde ist alles geschlossen und die meisten befinden sich im Home Office), um sich um Pflegebedürftige oder Ältere zu kümmern oder deren Erledigungen zu übernehmen und um Sport zu machen. 

Nun ist fotografieren zwar kein Sport, aber spazieren gehen ist erlaubt (ist ja gesund) und da kann man gut nebenbei das eine oder andere Foto machen. 

Social Distancing (noch so ein Wort, das vor kurzem Einzug in unseren Wortschatz gefunden hat) kann dabei gut eingehalten werden, denn ich will nur den farbenfrohen Blüten Nahe kommen, die mich gerade dieses Jahr so begeistern. Vielleicht liegt es an der Pandemie, an dem gefühlten eingesperrt sein und dieser latenten Bedrohung durch diesen Virus der allgegenwärtig aber für die meisten nicht sichtbar ist. Aber in den letzten Wochen erschien mir der Himmel blauer als jemals zuvor, das frische Grün der Wiesen saftiger und die Blüten der Tulpen, Magnolien und Narzissen leuchten in ihren Farben um die Wette. Vielleicht liegt es daran, dass ich nun bewusster durch den Park und den Wald gehe, ich nun mehr Zeit habe den Bäumen von meinem Fenster aus zuzuschauen, wie ihre Blätter jeden Tag mehr sprießen. Vielleicht gehe ich nun mit offeneren Augen durch die Welt. Ich bekomme jedenfalls nicht genug davon, die Farbenpracht zu fotografieren. 

Bei den Frühlingsboten dürfen wir ganz nah ran gehen!

In den letzten Jahren habe ich oft das kurze Zeitfenster der Blüten verpasst weil ich mit so viel anderen Kram beschäftigt war. Gerade im Frühling heißt es jeden Tag fotografisch zu nützen, da die Blütezeit mitunter recht kurz sein kann. Es ist daher gut zu wissen, dass die Magnolie als erste bereits Mitte März mit ihren beeindruckenden Blüten startet, die Apfelblüte im April und die Kirschblüte erst Ende April folgt. Kurzum, ein ungefähres Gefühl, wann welche Blumen und Bäumen blühen ist auf jeden Fall von Vorteil. 

Die Tage werden nun endlich länger und weil die Sonne zur Mittagszeit noch nicht so hoch am Himmel steht wie im Sommer, wenn die Schatten zu hart sind, können wir im Grunde den ganzen Tag über fotografieren. 

Der Lichteinfall ist besonders beim Fotografieren von Blüten wesentlich. Mittels Gegenlicht könnt ihr so die Farben richtig zum Leuchten bringen. Ich inspizieren die Blumen daher immer von allen Richtungen und Blickwinkeln – meistens wächst zumindest eine in die richtige Richtung.

Um die Blüte vollends in den Mittelpunkt zu stellen und vom Hintergrund hervorzuheben eignet sich am besten ein Makroobjektiv. Damit kann man den Motiven nahe genug kommen um sie formatfüllend abzulichten und wirft selbst keinen störenden Schatten. 

Gearbeitet wird mit offener Blende und geringer Schärfentiefe, so können Details herausgearbeitet werden, die Blüte hebt sich scharf vom Hintergrund ab. 

Durch das gekonnt eingesetzte Spiel mit Schärfe und Unschärfe kommt es in der Makrofotografie oft auf einige Millimeter an, um Bildausschnitt und Blickwinkel stimmig zu gestalten. Die exakte Fokussierung ist bei diesen kleinen Motiven das Um und Auf und auch oft der heikelste Teil. 

Hier kann das Umstellen auf manuellen Fokus und Serienbildschaltung für Abhilfe sorgen. Ein Stativ kann ebenso hilfreich sein. Während ein Dreibeinstativ allerdings zu umständlich in der handhabung ist, kann ein Einbeinstativ wesentlich flexibler eingesetzt werden. 

Und schließlich darf bei aller Schönheit der Blüte der Hintergrund nicht vergessen oder übersehen werden. Dunkle Äste oder Blätter werden durch die offene Blende unscharf abgebildet und sind so zunächst leicht zu übersehen – sie können aber als störende dunkle Flecken die Bildkomposition schnell ruinieren. Also bevor ihr loslegt, Hintergrund checken und aufräumen! 

Und wenn ihr nun Lust auf mehr bekommen habt, aber ausführliche Anleitungen zu Blütenbildern sucht, empfehle ich euch bei den fotonomaden vorbeizuschauen und ihren Artikel zu Frühlingsbildern zu lesen. Dort finden sich praktische und leicht umzusetzende Tipps und Anregungen.

Wald bei Baden, 2020

Für alle, die kein Makroobjektiv haben, finden sich im Frühling abseits von Blüten und Knospen, viele weitere Motive in der Landschaft, wie sie zum Beispiel in Panoramaaufnahmen eingefangen werden können. 

Zusätzliche Tipps und Tricks erweitert um das Thema Ostern und Tiere findet ihr in dem Frühlingsbeitrag von Ringfoto!

Aber auch in der Stadt kann das neu erwachte Leben, trotz Coronakrise, dokumentiert werden. 

Street Photography kann gerade jetzt einen neuen Stellenwert einnehmen. 

Wenn ihr dürft, traut euch auch hinaus, begebt euch an vertraute Orte und beobachtet die Veränderung. Wie wirkt der Platz auf euch in der neuen Situation? Was fühlt ihr angesichts der Abwesenheit der Menschen, die sich normalerweise hier tummeln würden?    

Könnt ihr trotzdem beobachten, wie die Menschen die ersten kräftigen Sonnenstrahlen oder das erste Eis der Saison genießen? 

Ich sehe momentan viel normales, Menschen beim Einkaufen, die durch die Stadt spazieren, es sieht normal aus, ist es aber gleichzeitig nicht. 

Sonntag Nachmittag, normalerweise flanieren hier Touristen, Familien und junge Leute.

Es könnten Aufnahmen sein, wie an jedem anderen Frühling auch, jedoch bietet sich uns dieses Jahr der Blick auf eine ganz besondere Zeit, eine Zeit der Einschränkung und Reduzierung, eine Rückbesinnung auf wesentliche, vielleicht schon vergessene Dinge, die wir im Angesicht der aufblühenden Natur festhalten können – und so zu einem Zeitdokument werden lassen können.